15. November – 15. Dezember 2002

En Route – Vorrunde

Kunst für Autofahrer an einer Landstraße im Land Brandenburg

Künstlerinnen und Künstler:

Rainer Fürstenberg
Christian Hasucha
Sibylle Hofter
Norbert Radermacher
Susken Rosenthal

An der Bundesstraße B246 zwischen Brück und Belzig in Potsdam-Mittelmark, im Wirkungsradius des Vereins Kunstpflug e.V., entsteht im November 2002 eine ungewöhnliche Kunststraße. Fünf Künstlerinnen und Künstler aus Brandenburg und Berlin zeigen Installationen im Blickfeld der vorbeiziehenden Autos. Das Projekt ist eine Testrunde für das Dreiländerprojekt En Route 2003.

Das Projekt ist für den modernen Kunstkonsumenten entwickelt, der im Vorbeifahren einen visuellen Eindruck mitnehmen möchte. Die Ausstellung ermöglicht Kunstgenuß vom Auto aus – schnell, diskret, Zeit sparend – ohne lästige Parkplatzsuche, Öffnungszeiten und Warteschlangen. Diese zeitgemäße Ausstellungsform beleuchtet den gesellschaftlichen Zustand, in dem wir uns befinden und macht ihn zum Thema – kreativ, ironisch, zukunftsweisend.

Strecke der Kunststraße (ca. 8 km)
Zufahrtstraße von der Autobahn Richtung Brück

Norbert Radermacher: rechts auf dem Feld kurz vor der Ortseinfahrt Brück Weiter bis Bahnhof Brück.
Rainer Fürstenberg: Litfasssäule rechts vor der Bahnschranke von dort auf der B246 zurückfahren, Richtung Belzig rechts abbiegen.
Susken Rosenthal: links auf dem Feld zwischen Brück und Gömnigk Nach Gömnigk durch ein Waldstück hindurch.
Sibylle Hofter: im ersten Garten links an der Ortseinfahrt von Nescholz. Von Nescholz weiter auf der B246.
Christian Hasucha: in der Landschaft verteilt, auf beiden Seiten zwischen Nescholz und Lüsse von Lüsse rechts ab nach Baitz.

Konzept/Organisation
Susken Rosenthal

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Die einzelnen Projekte:

Rainer Fürstenberg – DORNRÖSCHEN ODER DIE WANDLUNGSkulptur am Bahnübergang Brück, transparente Überformung
Verwandlung des Nutzgegenstandes Litfasssäule mit unterschiedlich starken ,geformten Stahldrähten zu einer Skulptur ohne die vorhandene Form zu zerstören oder zu leugnenRainer Fürstenberg lebt und arbeitet als freischaffender Metallgestalter in Potsdam. Seine Skulpturen beleben an vielen Orten Brandenburgs auf provokante Weise den öffentlichen Raum.
Rainer Fürstenberg erhielt 2001 den Förderpreis für Bildende Kunst des Landes Brandenburg.

Christian Hasucha – AN DER STRASSE
Zwischen den Orten Neschholz und Lüsse sind 30 Zifferntafeln installiert. Neben einem freistehenden Gebüsch, an einen Strommast, an einer Grundstücksmauer etc. montiert, geben sie die seitliche Entfernung der Vorbeifahrenden zum jeweiligen Referenzobjekt an.
Christian Hasucha, der, wie ein Kunstkritiker schreibt, „irgendwie auch Soziologe, Verhaltensforscher, Medienexperte und Publizist ist, aber dabei immer Künstler bleibt, weil er mit künstlerischen Herangehensweisen subjektiv, irrational, spontan und mit Zufällen arbeitet und sich nicht auf die scheinbar objektiven Methoden der Wissenschaft einengen läßt“, lebt und arbeitet in Berlin. Christian Hasucha realisierte seit 1981 über 30 Projekte als „öffentliche Interventionen“ u.a. in Berlin, London, Amsterdam, St. Petersburg, Rom und in vielen weiteren Ländern.

Sibylle Hofter – EINE KUGEL: EIN BALL.
Ein Einzeller in einem Garten am Ortsrand. Fünf Meter Durchmesser in Neschholz. Eine Hülle in Regen und Sturm.
Sibylle Hofter baut Installationen und macht Filme, die unsere Warenwelt und den Umgang mit Industrieprodukten künstlerisch hinterfragen, so in ihre multimedialen Drahtinstallation „Erschließen-Erstellen“ für das Projekt AREALE 99 oder in dem vom ZDF im Jahr 1998 in Auftrag gegebenen Film „Aurora“. In ihren letzten Arbeiten beschäftigt sie sich mit dem Thema der“Kugel“.

Norbert Radermacher – TULPEN
100 rote künstliche Tulpen bilden einen rätselhaften Kreis auf einem Feld am Waldrand.
Norbert Radermacher befasst sich seit den frühen 80er Jahren mit Kunst im öffentlichen Raum. Seine streng konzipierten Objekte irritieren die Wahrnehmung der Alltagswirklichkeit. Radermacher baute für Areale 99 an der Autobahn A9 „das gelbe Haus“, ein über 6m hohes weithin leuchtendes Zeltobjekt, welches ein Millionenpublikum gesehen hat. Norbert Radermacher hat u.a. an der Dokumenta 8 in Kassel teilgenommen. Er ist Professor an der Kunsthochschule Kassel.

Susken Rosenthal – FARBFELD
Scheinbar zufällig wie ein Schwarm Vögel sieht man auf einem offenen Feld zwischen Brück und Gömnigk 60 Farbtäfelchen. Im Vorbeifahren wechseln die rapsgelben Karten scheinbar ihre Farbe und werden ultramarinblau. Aus der anderen Richtung kommend verhält es sich umgekehrt. Ein optisches Spiel mit der Perspektive des Betrachters.
Susken Rosenthal arbeitet in ihren Rauminstallationen mit Perspektive, Dynamik und optischen Illusionen. Sie erhielt 1997 den Förderpreis für Bildende Kunst des Landes Brandenburg.

Förderer
Landkreis Potsdam-Mittelmark

Sponsor
ESSO-Autohof Linthe